IDB bei Boiden
Inclusion body disease (IDB) bei Boiden
(Mit Genehmigung
von Herrn Olaf Schal kopiert.)
Praxis für Amphibien und Reptilien
Dr. med. vet. Renate Keil
Am Blauen See 1
30629 Hannover
Tel.0511-591573
Merkblatt zur Einschlusskörperchen-Krankheit (Inclusion body disease = IBD) bei Boiden
Diese vor drei Jahrzehnten in den USA erstmals bei Tigerpythons beschriebene Viruserkrankung tritt in den letzten Jahren sehr häufig auch in Deutschland auf.
Übertragung:
Es handelt sich nach den
derzeitigen Erkenntnissen um einen Retrovirus, das
- durch direkten Kontakt
- vermutlich durch Milben
- von der Mutter auf die Jungtiere
übertragen werden kann. Inwieweit auch indirekter Übertragungswege eine Rolle spielen, z.B. durch Gerätschaften, Fütterungsbehälter, Transportbehälter usw., die kurz zuvor mit erkrankten Tieren in Berührung gekommen waren, müsste noch untersucht werden, ist aber wahrscheinlich.
Krankheitsverlauf:
Der Krankheitsverlauf ist
recht unterschiedlich, aber offenbar immer tödlich. Da es zu einer
Immunsuppression kommt, werden als erste Krankheitszeichen häufig
Magen-Darmerkrankung, Häutungsprobleme oder Lungenentzündung
diagnostiziert und manchmal durchaus erfolgreich behandelt, allerdings
treten bald wieder Rezidive auf. Bei manchen Tieren dagegen fällt dem
aufmerksamen Besitzer ein zunächst oft nur leicht verändertes Verhalten
auf, das auf eine Enzephalites hinweist:
- die Tiere züngeln anders, langsamer, lassen die Zunge oft unbeweglich draußen
- sie wirken "lahm"
- sie zittern leicht mit dem Kopf, wenn sie kriechen,
- sie haben unterschiedlich große Pupillen (Anisokorie), die auf Lichteinfall zögernd reagieren,
- sie erscheinen orientierungslos
- sie sind im letzten Stadium nicht zu normaler Fortbewegung fähig, drehen sich auf den Rücken, überstrecken den Kopf, bewegen sich "Schraubenförmig".
Die Übergänge sind fließend und manchmal sind die ersten Anzeichen nur winzige Störungen im Bewegungsablauf. Manche Tiere fressen noch bis zum Schluss gut, oft können sie im Endstadium das Futter aber nicht mehr verdauen und erbrechen es.
Diagnostik:
In der Regel wird die Diagnose
erst gestellt, wenn das tote Tier zur Sektion eingeschickt wird und auch
histologische Schnitte der Organe angefertigt werden, in dem man die
Viruseinschlusskörperchen sieht. Ein serologischer Test steht bisher
noch nicht zur Verfügung, es wird aber an der Entwicklung gearbeitet.
Eine sichere Nachweismöglichkeit beim lebenden Tier ist die Entnahme vom
Gewebe der Leber und Bauchspeicheldrüse in Narkose (Biopsie), um im
histologischen Schnitt die Einschlusskörperchen nachzuweisen. Natürlich
ist das sehr aufwendig und nicht ungefährlich, zur Routineuntersuchung
also nicht geeignet. Nur bei Boiden, leider nicht bei Pythoniden, gibt
es eine gute Alternative. Boas zeigen diese Einschlusskörperchen häufig
auch in den Erythrocyten, oft sehr lange bevor die Erkrankung täglich
ausbricht. So kann man durch die Entnahme von einem Tropfen Blut, der
gefärbt und microskopisch untersucht wird, die Infektion häufig sehr
früh feststellen. Manchmal kommt nur eine befallene Zelle auf mehrere
tausend normale Erythrocyten - ein "Schnellnachweis" ist diese Methode
nicht und sie setzt auch einige Erfahrung voraus - aber sie ist
gefahrlos und bis auf den Kanülenstich in die Vene auch schmerzlos für
das Tier. Sie kann also evtl. auch ohne Probleme mehrfach wiederholt
werden.
Der Nachteil dieser Nachweismethode ist, dass sie nicht bei Pythons funktioniert, weil bei ihnen die Erythrocyten anscheinend nicht befallen werden und dass man auch bei Boas noch nicht weiß, nach welchen Inkubationszeit sie positiv ist. Dafür sind noch Tierversuche nötig, auch daran wird gearbeitet. Ein negativer Blutausstich besagt also nicht, dass das Tier mit Sicherheit von dem Virus frei ist. Bei einem Tier, das Kontakt mit IBD-Tieren hatte, sollte die Blutuntersuchung also auf jeden Fall nach einigen Monaten wiederholt werden, wenn die erste Untersuchung negativ war. Bis dahin sollte eine solche Schlange in strenger Quarantäne gehalten werden.
Behandlung:
ES GIBT LEIDER KEINE. Bereits nachweislich erkrankte Tiere sollten
schmerzlos getötet werden (mit Barbiturat beim Tierarzt). Wurde zwar die
Infektion, aber nicht eine Erkrankung festgestellt, so darf eine solche
Schlange keinesfalls verkauft werden oder jemals wieder in einen Bestand
mit anderen Schlangen integriert werden. Solange sie klinisch gesund
ist, kann sie einzeln oder mit anderen positiven Tieren gehalten werden,
wobei auch keine Zucht möglich sein darf, weil damit zu rechnen ist,
dass zumindest ein großer Teil der Jungen angesteckt wird. Wer ein
solches Tier unkontrolliert abgibt, gefährdet durch die weitere
Ausbreitung dieser Seuche auf gesunde Bestände und letztlich auch die
ganze Art (von Schadensersatzforderungen ganz abgesehen).
Vorbeugung:
- strenge Quarantäne neuer Tiere für mindestens ein halbes Jahr
- Blutuntersuchung am Anfang und Ende der Quarantänezeit
- Kauf neuer Tiere nicht aus dubiosen Quellen (Zeitungsinserat, Börse," Sonderangebot"...), sondern bei Züchtern, die dem Bluttest zustimmen und deren Elterntiere negativ getestet wurden.